Nicolas Lindt

Schriftsteller & Ritualgestalter

«Ich schreibe Bücher, erzähle Geschichten und gestalte Rituale im Namen der Liebe.»

Wald, 01. Oktober 2020   |   Bücher Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

Vor vierzig Jahren

Nur tote Fische
schwimmen mit dem Strom

Porträts, Geschichten & Reportagen 
aus dem Jahr der „Bewegung“ 1980/81

Im Frühling 1981, noch mittendrin im Geschehen, erschien im eco-verlag mein Buch »Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom«. Es sollte kein Buch über, sondern eines aus der Bewegung sein. In einer Reihe intensiver, in die Tiefe gehender Interviews erzählten mir junge Frauen und Männer ihre persönliche Geschichte und was die Ereignisse in Zürich für sie bedeuteten. Sie redeten aber auch über ihre Kindheit, ihre Träume, ihre Sexualität und den Sinn des Lebens. Der Impuls der Bewegung erlaubte es ihnen, mit grosser Offenheit von sich selber zu sprechen.

Vier Jahrzehnte danach blicke ich auf das bewegte Jahr in Zürich zurück und erkenne von Neuem, wie aussergewöhnlich es war. Alle, die so wie ich aktiv dabei waren, würden mir dies bestätigen. Zusammen mit dem Verlag edition 8 entschied ich mich deshalb, die Porträts von damals neu aufzulegen, um den Geist der Bewegung noch einmal spürbar zu machen. Gleichzeitig vermitteln die Interviews auch, wie engagierte junge Leute aus Zürich vor 40 Jahren gedacht und gefühlt haben. Ihre Schilderungen sind nicht nur lebendig und inspirierend, son- dern auch von überraschender Aktualität.

Erweitert habe ich meine Rückschau mit Reportagen & Geschichten, die ich 1980 und 1981 veröffentlichte. Sie erscheinen hier erstmals in Buchform und widerspiegeln die Bewegung immer wieder aus einem anderen Blickwinkel. Das gilt auch für die Reportage »... dass du kämpfen musst«, für die ich damals nach Chur gereist bin. Vor dem Bündner Kantonsgericht fand dort der Schauprozess gegen Marco und René statt. Ihr Schicksal liess uns in Zürich nicht gleichgültig.

Was die Bewegung bewirkte, was ihr Impuls alles ausgelöst hat, kommt in einem Gespräch zum Ausdruck, das ich mit einem der Porträtierten von damals führte: »Wiederbegegnung mit Max – 40 Jahre danach«.

Wie ich selber die Bewegung erlebte und wie ich sie heute beurteile, schildere ich am Schluss des Buches in meinem Gedankengang »Das Jahr, als die Stadt uns gehörte«.

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Beim Titel des Buches »Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom« handelt es sich um ein chinesisches Sprichwort, das auch Mao Tse-tung in einem seiner Werke zitiert hat. Wie die meisten Sprichwörter ist es von zeitloser Bedeutung.

 

Das Bild zeigt das Ergebnis einer nächtlichen Farbaktion der "Bewegung" am Seilergraben beim Central. Die Farben blieben bis im Jahr 2000 unangetastet. Dann wurden sie von der Stadt entfernt.