Nicolas Lindt

Schriftsteller & Ritualgestalter

«Ich schreibe Bücher, erzähle Geschichten und gestalte Rituale im Namen der Liebe.»

Wald, 18. Oktober 2017   |   Trauung Eine Trauung mit Nicolas Lindt
Wald, 18.10.2017   |   Trauung Eine Trauung mit Nicolas Lindt

Eine Trauung mit Nicolas Lindt

Die Liebe will leben

Wie gestalte ich eine Trauung? Auf den ersten Blick soll alles so sein, wie wir es kennen. Wir dürfen uns freuen auf eine feierliche Zeremonie mit festlicher Kleidung, Musik, Eheversprechen und Ringtausch. Eine Trauung ist wie jedes alte Ritual gewachsen über viele Jahrhunderte. Sie ist durchdrungen von Tradition. Warum brauchen wir Traditionen? Sie geben uns Halt. Sie sind wie der alte Baum am Wegrand mit seinem grossen Blätterdach. Niemand soll ihn fällen.

Mit anderen Worten: An der Form des Traurituals muss ich wenig ändern. Neu ist sein Inhalt. Die moderne Zeit verlangt das von uns. Ein paar schöne Symbole und Sprüche erfüllen uns nicht mehr. Die Liebe will nicht in Worte eingesperrt werden, schon gar nicht am Tag Ihrer Hochzeit. Die Liebe will leben. Deshalb erzähle ich zunächst ganz einfach - Ihre Geschichte. Erzählen ist mein Beruf. Durch meine Schilderung wird Ihre Liebesgeschichte lebendig. Würde mir das nicht gelingen, wäre ich ein schlechter Schriftsteller. Manche Paare haben mir schon gesagt: Unsere Geschichte ist nicht so interessant. Als ich sie dann an der Trauung vortrug, war sie es doch.
 

Ihre Geschichte

Eine Liebesgeschichte kann man so oder so erzählen. Ich möchte sie richtig erzählen. Sie sollen spüren, liebes Brautpaar, wie wertvoll Ihre Beziehung ist. Ihre Geschichte hat nicht nur eine Handlung – sie hat einen Sinn. War es einfach nur Zufall, dass Ihre Lebenswege zusammentrafen? Wenn es so wäre, könnte man ebenso gut jemand anderen lieben. Das möchte man aber nicht. Ich bin überzeugt, dass zwei Menschen zusammengehören, dass sie füreinander bestimmt sein können. Und ich erzähle die Liebesgeschichte, um zu zeigen, wie das Leben uns hilft, einander zu finden.

Am Anfang steht das Wunder der ersten Begegnung. Wie kam es zu Ihrem Zusammentreffen? Was haben Sie damals empfunden? Und was geschah dann?

Hätten Sie sich schon früher begegnen können? Warum nicht? Manchmal müssen zwei Menschen viele Umwege gehen, bis sie füreinander bereit sind. Diese Vorgeschichte kann von Bedeutung sein, und ich möchte auch sie erwähnen – natürlich mit der nötigen Rücksichtnahme.

Dann aber werde ich schildern, wie Sie sich gegenseitig entdecken. Damit fangen viele Liebesgeschichten erst richtig an. Allmählich wird Ihnen klar: Dies ist keine Romanze, die bald verblüht. Es gilt zwischen uns. Wir meinen es ernst. Wir sind mit unseren Herzen dabei.

Ich beschreibe Ihre Geschichte bis heute. Was haben Sie alles zusammen erlebt? Wo sind Sie verschieden, wo empfinden Sie ähnlich? Welche Eigenschaften lieben Sie besonders an Ihrem Partner?

Ich möchte Ihnen am Tag Ihrer Trauung noch einmal bewusst machen, woran ihre Liebe gewachsen ist. Ich möchte aber auch zeigen, wie das Leben möglicherweise Ihre Beziehung geprüft hat: Vielleicht haben Sie einmal Zweifel bekommen an ihren Gefühlen. Vielleicht haben Sie sich sogar einmal trennen müssen?

Viele Paare erklären mir: Wir haben uns vorübergehend verloren – und wieder gefunden. Wir haben ein zweites Mal Ja zueinander gesagt. Das hat uns geholfen. Unsere Krise hat uns stärker gemacht. Wir spürten, wie sehr wir zusammengehören.

Ein Brautpaar darf auf seine Geschichte stolz sein. Indem es mir erlaubt, sie zu erzählen, will es kundtun: Das sind wir. So sind wir zusammengekommen. So haben wir um unsere Liebe gerungen. Und ihr alle dürft es wissen.

Mit Ihrer Geschichte, liebes Brautpaar, machen Sie Ihren Gästen ein grosses Geschenk. Ihre Trauung gewinnt dadurch eine Tiefe, die niemand erwartet. Was ich von Ihnen erzählen darf, kann auch für jedes andere Paar inspirierend sein. Und mancher Gast, der den Glauben an die Liebe verloren hat, gewinnt ihn durch Ihr Beispiel vielleicht ein wenig zurück.


Das Trauritual

Ihre Geschichte steht am Anfang und im Mittelpunkt Ihrer Trauung. Danach folgt das Trauritual. Ich bitte Sie aufzustehen und mir gegenüberzutreten, worauf ich Ihnen ein paar Gedanken über den Sinn der Ehe mit auf den Weg gebe.

"Wenn ihr heiratet, sagt ihr nicht nur Ja zueinander. Ihr sagt Ja dazu, etwas Drittes, Gemeinsames zu erschaffen. Das ist die Ehe. Sie ist eure gemeinsame Schatzkammer..."

Ich spreche von der Ehe als Kraft, die Sie gemeinsam erschaffen, und ich spreche von ihr als Schule, in der Sie voneinander lernen können. Was ich Ihnen mit poetischen Worten sage, entspringt meiner eigenen Eheerfahrung. Ich würde mir nicht erlauben, Sie zu trauen, wenn ich nicht selber seit vielen Jahren verheiratet wäre. Ich finde die Ehe etwas Wunderbares, auch wenn es oft nicht einfach ist, sich zu finden, und ich möchte Ihnen diesen Sinn der Ehe, an den ich glaube, weitergeben.

Das Eheversprechen formuliere ich bewusst schlicht, denn im Zusammenhang mit dem Heiraten werden zuviele grosse Worte gebraucht. Ebenso einfach soll Ihre Antwort sein: Ja, ich will. Nicht das Ja-Wort zählt, sondern der klare Willensausdruck: Ich will. Von diesem Moment an sind Sie füreinander nicht mehr nur Partner oder Lebenspartner, sondern Mann und Frau.

Das Eheversprechen geben Sie mir. Sie schauen mich an. Aber ich stehe vor Ihnen nicht als Amtsperson oder Angehöriger eines Glaubens, sondern allein als Mensch, stellvertretend für unsere menschliche Gemeinschaft. Und ich traue Sie nicht als Gläubige oder Staatsbürger, sondern als Menschen – im Namen der Liebe.

Alle Ihre Gäste, die Trauzeugen ebenso wie Ihre Eltern und Freunde sind Zeugen Ihres Versprechens. Früher war es die Dorfgemeinschaft, die sich in der Kirche des Dorfes versammelte, wenn ein Brautpaar heiratete. Heute ist es die Hochzeitgesellschaft, die nicht mehr aus Dorfbewohnern, sondern einfach aus Menschen besteht. Menschen, die mit Ihnen verbunden sind. 

Beim anschliessenden Ringtausch wenden Sie sich zueinander. Das ist Ihr ganz persönlicher Moment, den Sie dazu verwenden können, sich gegenseitig etwas zu sagen. Durch das Tauschen der Ringe besiegeln Sie Ihren soeben beschlossenen Bund. Unendlich soll Ihre Liebe währen – unendlich wie der Kreis des Rings.

Es folgt ein Moment der Dankbarkeit für das Glück Ihrer Liebe und alles, was das Leben uns schenkt. Danach gratuliere ich Ihnen und gebe Ihnen – im Namen aller Anwesenden – den Segen der Liebe mit auf Ihren gemeinsamen Weg. Ich bitte die Trauzeugen nach vorne und gebe auch ihnen Gelegenheit zur Gratulation. Zum Schluss danke ich allen Gästen fürs Dabeisein nicht nur mit Auge und Ohr, sondern auch mit dem Herzen. Ich beschliesse die Trauung – wenn Sie dies wünschen - mit einem besonderen Dank an Ihre Eltern.

Musik hat die Trauung eröffnet, Musik begleitet die Zeremonie – Musik soll sie ausklingen lassen. Ich würde keine Trauung gestalten ohne die wunderbare Sprache der Musik, die direkt zu unseren Herzen spricht.
 

Bedenke, dass die beste Beziehung die ist,
in der jeder Partner den anderen mehr liebt als braucht.
Dalai Lama